Erfahrungen Beobachtungen 
und Zitate

hier präsentieren wir euch eine Auswahl an Erfahrungsberichten und Zitaten die wir während unserer Projektarbeit gesammelt haben. 

Beim Lesen oder Hören verschiedener Diskriminierungskategorien ist es für viele Menschen sehr schwer greifbar, wie diese im Alltag konkret aussehen können. Darum haben wir eine Sammlung verschiedener Erfahrungen angelegt, die nachvollziehbarer machen sollen, wie Bremerhavener:innen im Alltag konkret Diskriminierung erfahren oder beobachten.

"Ihnen glaube ich auch so"

Ich wollte während der Corona-Pandemie in einem großen Geschäft in der Bremerhavener Innenstadt einkaufen gehen. Ich komme aus Syrien, bin männlich, Anfang 30  und habe schwarze Haare. An meiner Aussprache hört man, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist. Vor mir in der Schlange vom Laden stand eine blonde Frau ohne Akzent. Eine andere Frau am Eingang des Geschäftes kontrollierte die Impf- und Genesenenausweise. Die blonde Frau sagte, sie habe ihren vergessen, da sagte die Mitarbeiterin des Ladens "Macht nichts, gehen sie rein, ich glaube ihnen auch so!" Als ich an der Reihe war, konnte ich meinen Ausweis auf die Schnelle nicht sofort finden und musste lange suchen. Die Verkäuferin machte mir nicht dasselbe Angebot wie der Frau zuvor, also fragte ich sie: "Glauben sie mir auch, dass ich ihn habe?" die Mitarbeiterin antwortete: "Tut mir leid, Vorschrift ist Vorschrift, ich bin dazu verpflichtet ihren Ausweis zu kontrollieren." Ich fand es nicht gut, dass die Frau vor mir ohne Nachweis hereingelassen wurde und bin damit einverstanden, dass meiner kontrolliert wird, aber diese Situation zeigt, dass für Menschen wie mich, Ausnahmen nicht gemacht werden, die aber für andere Menschen eben doch ermöglicht werden. Ich denke dann, es liegt an meiner Herkunft, aber ich kann es nicht beweisen.

Hey Oma!

Als Frau über 60 gibt es öfter Momente in denen ich mich aufgrund meines Alters benachteiligt und anders behandelt fühle. Es fängt an bei höheren Kfz-Steuern für alte Menschen. Vorurteile und Beleidigungen gegenüber den Fahrkünsten ab einem gewissen Alter, die soweit gehen, dass viele Menschen sogar fordern, dass einem ab einem bestimmten Alter der Führerschein entzogen wird. Es sind aber manchmal auch einfach die spürbaren Annahmen anderer Menschen, dass "alt" sein gleichzusetzen ist mit fehlender Selbstständigkeit, Gebrechlichkeit, Vergesslichkeit und unmündiger werden. Das kann sich ganz unterschiedlich wiederspiegeln, ist aber immer sehr verletzend. Manchmal fühle ich mich, als würde ich wieder wie ein Kind behandelt werden, das ist sehr herabwürdigend. Ich habe das Gefühl, man kann sich nicht dagegen wehren, da man sonst eine gefrustete griesgrämige Alte ist. Außerdem werde ich Oma genannt, obwohl ich gar keine bin. 
Manchmal tue ich deswegen so, als würde ich schlecht hören, tue ich aber gar nicht. 

Formulare

Ich komme aus Bulgarien und Bulgaren haben in Bremerhaven einen sehr schlechten Ruf. Bei verschiedenen Formularen, z.B. bei der Bewerbung auf Wohnungen, frage ich mich immer wieder, wieso nach dem Herkunftsland gefragt wird, wenn doch aktuell häufig über Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt berichtet wird. Was für einen Nutzen hat diese Information, außer Bewerber:innen deswegen auszusortieren? Bei manchen Formularen macht es ja Sinn, aber bei vielen verstehe ich überhaupt nicht, wieso ich diese Angaben machen muss. 

Sei doch kein Mädchen

Wenn kleinen Jungs gesagt wird "Hör auf zu heulen, sei doch kein Mädchen!", weiß ich immer gar nicht, was mich im ersten Moment mehr aufregt; dass ihnen von klein auf abgewöhnt wird Gefühle wie Traurigkeit zu zeigen und diese auszuleben, dass Weinen als ein Zeichen der Schwäche vermittelt wird oder dass Mädchen sein hier als Beleidigung genutzt wird. Jungs und Mädchen die das hören, wird so doch indirekt vermittelt: "Sei lieber kein Mädchen, die sind schwach und heulen die ganze Zeit, so sollte man nicht sein."

Mutter aus Syrien 

Ich kenne eine Frau, die seit 5 Jahren in Deutschland lebt und einen fünfjährigen Sohn hat, der bald eingeschult werden soll. Sie spricht so gut wie kein Deutsch und dementsprechend schlecht konnte sie es auch ihrem Sohn beibringen, der deswegen in ein spezielles Vorschulprogramm geschickt werden wird und später als normal eingeschult wird. Seine Sprachkenntnisse sind außerdem so schlecht etnwickelt, da er in all der Zeit  keinen Kindergartenplatz bekommen hat, in dem er Deutsch lernen hätte können. Darum hatte die Mutter auch keine Zeit einen Deutschkurs zu besuchen. Als ich für die Frau bei einem Kindergarten anfrage, wurde mir gesagt, dass die Plätze vorrangig an Kinder vergeben werden, von denen beide Elternteile berufstätig sind. Nur bekommt die Frau ohne Deutschkenntnisse natürlich keinen Job und sie kann ja auch ihren Sohn nicht alleine lassen um zum Deutschkurs zu gehen. Hier sieht man den Kreislauf solcher Diskriminierungen.

Wie sieht man "deutsch" aus?

Meine Eltern sind in der Türkei aufgewachsen und als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Ich bin also hier in Deutschland geboren. Dennoch werde ich aufgrund meines Aussehens andauernd als "nicht deutsch" wahrgenommen. Dies äußert sich dann in Aussagen wie:
- "Du sprichst aber gut deutsch!"
- "Woher kommst du eigentlich (wirklich)?"
- "'"Ihr' esst ja kein Schweinefleisch."
Diese  Aussagen sind zwar keine Beleidigungen, aber dennoch fühlt es sich nicht gut an, immer wieder zu spüren, dass man als nicht-deutsch, also anders wahrgenommen wird. Zumal ich auch in der Türkei natürlich nicht als "Türke" angesehen werde. Auch nicht böse gemeinte Aussagen können also dazu führen, dass man sich ausgeschlossen fühlt.

Eingesperrt im Hochhaus

Ich komme aus Syrien und wohne in einem Bremerhavener Hochhaus, in dem größtenteils Migrant:innen leben. Letzten Sommer ist der Fahrstuhl im Haus kaputt gegangen. Wir meldeten es sofort dem Vermieter, jedoch tat sich über Monate hinweg nichts. So viele Bewohner des Hauses verständigten in dieser Zeit den Vermieter, aber es geschah nichts. In einem Hochhaus ist jeder sehr angewiesen auf einen Fahrstuhl. Besonders eine 81-Jährige Frau, die  im 6ten Stock wohnt. Sie konnte in all der Zeit ihre Wohnung nicht mehr verlassen, weder zum Einkaufen, noch um zum Arzt zu gehen. Als dieser Umstand bekannt wurde, schaltete sich die Presse hinzu. Da das Schicksal der alten Dame viele Menschen bewegte, wurde der Fahrstuhl innerhalb kürzester Zeit repariert.

Sie sind nicht krank!

Ein Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma ist vollkommen verzweifelt, weil er (inkl. ärztlichem Attest) krankgeschrieben wurde, dies bei seiner Vorgesetzten abgegeben hat und sich krankmeldete. Diese rief ihn daraufhin an und befahl ihm dennoch zur Arbeit zu kommen, weil sie ihn dringend bräuchte. Der Mitarbeiter wiederholte, dass er aufgrund seiner Krankheit nicht könne. Seine Vorgesetzte drohte ihm mit einer Kündigung. Daraufhin wendete er sich an eine Beratung. Der Berater kontaktierte daraufhin die Vorgesetzte des Mannes und sie wiederholte die unglaublichen Aussagen über ihren Mitarbeiter. Sie betonte, dass sie ihm seine Krankheit nicht glauben würde und er dennoch zur Arbeit zu erscheinen habe, da er sonst gekündigt werden würde. 
Auch dem Berater gegenüber wurde sie sehr unverschämt und respektlos beleidigend. Sie zeigte keine Einsicht.

Diskriminierung Ost

Ich bin in der DDR aufgewachsen, Reaktionen die ich auf diese Aussage (nicht nur einmal) erlebt musste:
- "Achja? Das sieht man ja gar nicht!"
- "Das hört man ja gar nicht!"
noch besser:
- "Das riecht man ja gar nicht!"
Aus diesem Grund wurde mir auch schon die Einstellung als Erzieherin verwehrt. Das war für mich eindeutig diskriminierend.

Männliche Bürokauffrau

Bei meiner Jobsuche in Bremerhaven über das Internet bin ich nun schon mehrfach auf Stellenausschreibungen gestoßen, in denen nach "Bürokauffrauen" (m/w/d) gesucht wird. Das wirkt auf mich immer, als wäre das "m/w/d" nur aus Zwang hinzugefügt geworden. Auch schon gelesen habe ich: "Assistentin der Geschäftsführung".

Afro-Haare

Ich komme aus Nigeria und habe krauses Haar (Afro). Andauernd fassen Menschen ungefragt meine Haare an, aber auch wenn sie mich fragen, ob sie sie anfassen können, habe ich das Gefühl, wie ein Tier im Zoo zu sein. Ich würde nie auf die Idee kommen, einfach so die Haare von Jemandem anzufassen. Mir ist aufgefallen, dass oft wenig Verständnis dafür herrscht, wenn ich sage, dass ich es nicht mag. 

Hautfarbe

Ich habe eine dunkle Hautfarbe und es gibt kein Make up in diesem Farbton. Auch "hautfarbene" Pflaster und Stifte sind beige oder rosa. 

Manchmal sind es keine Beleidigungen die weh tun, sondern einfach nur ein kurzer abwertender Blick einer Person, die an einem vorbeigeht. Ein einzelner Blick kann, im Vergleich zu manchen krassen Diskriminierungserfahrungen, als nicht so schlimm angesehen werden, aber jeden Tag viele davon zu bekommen, macht auf jeden Fall einiges mit einem.

seit 5 Jahren auf Wohnungssuche

Ich bin seit fünf Jahren auf der Suche nach einer Wohnung für mich, meine Frau und meine drei Kinder. Wir leben in einer 2 Zimmer-Wohnung. Meine drei Kinder schlafen alle in einem kleinen Raum und ich und meine Frau im Wohnzimmer. Ich war nicht nur auf Wohnungs-, sondern auch auf Jobssuche, leider ebenfalls erfolglos. Bei der Wohnungsgesellschaft, bei der ich mich in all den Jahren regelmäßig erkundigte, hieß es jede Woche wieder "Leider keine Wohnung frei". Meine mangelnden Deutschkenntnisse erschweren es mir auf dem Arbeitsmarkt. Hinzu kam die Belastung, die die bisherige Wohnsituation für mich und meine Familie mit sich bringt. Niemand hat einen Rückzugsort. Während der Corona-Pandemie mussten wir alle gemeinsam auf engem Raum in Quarantäne.
Vor kurzem habe ich endlich Arbeit im Hafen bekommen und daraufhin erneut bei der Wohnungsgesellschaft angerufen. Hier hieß es nun plötzlich, als ich sagte, dass ich nun kein ALG II mehr beziehe: "Wir haben gerade eine freie Wohnung reinbekommen!" Wir ziehen voraussichtlich Anfang nächsten Monats um. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe mich während der Job- und Wohnungssuche sehr diskriminiert gefühlt. Ich bin sehr froh, dass es mittlerweile Menschen gibt, die hierzu Versuche durchführen und so beweisen können, dass diese Diskriminierungen real sind.

Kleingartenverein

Schon seit längerer Zeit versuche ich für mich und meine kleine Familie in Bremerhaven einen Garten anzumieten. Eines Tages bekam ich ein Angebot für die Besichtigung eines Gartens. Das Angebot klang perfekt und der Vermieter und ich verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Bei der Besichtigung konnte er jedoch nicht anwesend sein. Mein Nachbar und mittlerweile guter Freund, ein älterer Herr (in Deutschland geboren) begleitete mich (aus Syrien geflüchtet). Der Garten war wunderhübsch, alles an ihm gefiel mir. Bis dann der Besitzer des Nachbargartens an der Hecke erschien. Er sprach meinen Nachbarn an: "Bist du der neue Nachbar?" Er verneinte. Dann zeigte er auf mich und fragte ihn: "Er?" Wir bejahten. Daraufhin wurde er wütend und  sagte: "Auf gar keinen Fall, ich will hier keine Ausländer als Nachbarn haben!" Mein Nachbar wurde sofort sehr wütend und die beiden diskutierten eine Weile, aber es hatte keinen Sinn. Danach rief mich der Vermieter an und teilte mir mit, dass er mir den Garten leider nicht vermieten könnte, da er so verfährt, dass die anderen Mieter auch ein Mitspracherecht haben und der Nachbar des Gartens gegen mich als Nachbar wäre. Daraufhin berichtete ich ihm von den Aussagen des Nachbarn bei der Besichtigung. Er betonte daraufhin, dass er die Aussagen des Nachbarn nicht unterstützen kann, aber er dennoch respektieren muss, dass er mich nicht als Nachbarn haben möchte. 

"Du bist ganz anders"

Des Öfteren bin ich auf der Arbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen schon in mir unangenehme Situationen geraten, in welchen diese ausgerechnet mit mir über die Eigenschaften und Verhaltensweisen einiger weniger Migrantinnen und Migranten sprechen, deren Benehmen und Auftreten sehr zu wünschen übrig lässt, dabei ganze Bevölkerungsgruppen schlecht machen und ich diese im Zuge dessen darauf aufmerksam machen muss, dass man davon absehen sollte, wegen einiger weniger Menschen, die sich nicht zu benehmen wissen, ganze Bevölkerungsgruppen pauschal zu verurteilen. Erst in diesen Momenten realisieren die Meisten von ihnen, dass auch ich ein Migrant bin bzw. zu der Bevölkerungs- oder Religionsgruppe gehöre, über die sie gerade hergezogen sind und wollen mich dann oft mit Aussagen  beschwichtigen wie: "Menschen wie Dich meine ich natürlich nicht. Du bist ganz anders, voll integriert." Das sind Momente zum Fremdschämen. Der latente und in ihnen selbst meist schlummernde Rassismus wird ihrerseits mit einer einfachen Meinungsäußerung gleichgesetzt. Das Schlimme daran, die meisten von ihnen sind zumindest offensichtlich gute und nette Menschen, was in meinen Augen dafür spricht, dass der unterschwellige bzw. latente Rassismus gegen andere Kulturen, Religionen und Nationalitäten so tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist, dass er nicht mehr als Rassismus wahrgenommen wird.

Sporttasche im Zug

Ich pendle jeden Tag mit dem Zug zwischen Bremen und Bremerhaven. An einem Nachmittag saß ich auf auf einem 4er Sitz, gegenüber von mir war eine ältere Dame. Während der Fahrt gesellte sich ein weiterer Fahrgast zu uns. Ich sag mal, er hatte einen dunkleren Hauttyp und schwarze Haare mit Vollbart. Er hatte eine große Sporttasche dabei, die er auf seinen Schoß stellte. Während der Fahrt stand er auf, ich denke, weil er auf Klo musste. Die ältere Frau, die mir gegenüber saß, machte große Augen und wurde sichtlich nervös. Der junge Mann war eine Zeit lang weg und ich habe genau gemerkt, wie sie ängstlicher wurde und immer wieder auf die Tasche guckte. Sie hat zwar nichts gesagt, aber ich habe ihr Verhalten trotzdem als beleidigend für den Mann empfunden und habe gehofft, dass er es nicht gemerkt hat, als er wiederkam und sich hinsetzte. Während der täglichen Zugfahrten erlebe ich viele Momente, in denen Menschen Vorurteile gegenüber anderen Menschen haben, aufgrund ihres Aussehens oder Sprachkenntnisse. Diese Situation ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben.

"Das hat nichts mit Ihnen zu tun"

Neulich war ich in einem Telefonanbieter-Shop. Dort musste ich, während mein Antrag bearbeitet wurde, länger warten und beobachtete währenddessen die anderen Kunden. Einer der Mitarbeiter sah südländisch aus und hatte in der Zeit, in der ich da war, 4 verschiedene Kunden. Währenddessen hing er die ganze Zeit an seinem Telefon in der Warteschleife, einer Hotline für Mitarbeiter des Ladens, um das Anliegen eines Kunden zu bearbeiten. Alle Kunden, die zu ihm kamen, regten sich nacheinander sehr auf, weil es scheinbar an dem Tag kaum möglich war, Service-Mitarbeiter über die Hotline zu erreichen. Auch die Kunden der anderen Mitarbeiter waren allesamt schlecht gelaunt und regten sich über die Leistungen des Anbieters auf. Was mich verblüffte war, dass alle Kunden zu diesem Mitarbeiter, während sie sich aufregten, den Satz "Das hat nichts mit Ihnen zu tun" sagten. Alle anderen Mitarbeiter in dem Laden, die allesamt klischeehaft Deutsch aussahen, bekamen diesen Satz nicht gesagt. Seitdem denke ich viel darüber nach, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Erscheinungsbild des Mitarbeiters und dieser Äußerung gibt. Es löste in mir das Gefühl aus, dass die Kunden bei diesem Mitarbeiter das Bedürfnis hatten zu betonen, dass ihre Wut dem Anbieter und nicht ihm als Person galt. Was an sich natürlich nett gemeint gewesen wäre, aber eben auch deutlich machen würde, dass er aufgrund äußerer Merkmale nicht normal behandelt wird.

Kurzer Satz, große Wirkung

An einem wunderschönen Tag im Herbst 2001, kurz nachdem meine Frau und ich den Bund fürs Leben geschlossen haben, sind wir sehr verliebt und überglücklich in einen Bus eingestiegen, um an den Deich zu fahren. Dieser Moment und das in uns getragene Gefühl war unbeschreiblich schön und sollte hoffentlich niemals enden. Wir haben auf einem sogenannten Viererplatz gegenüber von zwei älteren, scheinbar netten und sich unterhaltenden Damen Platz genommen. Wir waren einfach nur glücklich, Hand in Hand und haben uns dabei verliebt in die Augen gesehen. Als es plötzlich aus dem Mund der einen Dame in Richtung der anderen Dame mit leiser Stimme wie mit dem Hammer auf den Kopf ertönte: "Der sieht aus wie Osama bin Laden. Komm lass uns aufstehen und woanders hinsetzen." Und damit war der unsere Moment tot. Und ferner wurde mir in dem Augenblick klar, der Anschlag von New York auf das World Trade Center hatte es bis nach Bremerhaven geschafft und ein über zwanzigjähriges Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft von Null auf Hundert in Bruchteilen von Sekunden zunichte gemacht.

Positiver Rassismus

Als mein Deutschlehrer eines Tages mit den Klassenarbeiten in der Hand den Klassenraum betreten hat und sagte: "Der Einzige der es verstanden hat, ist der Nicht-Deutsche. Der Rest ist Mist." Ich habe mich natürlich geehrt gefühlt, aber im Nachhinein muss ich ganz klar sagen, dass war positiver Rassismus und es fühlt sich eben nicht gut an, wenn man merkt, dass so etwas aufgrund der Herkunft hervorgehoben wird.

Das Aussehen von Frauen

Als Frau wird andauernd mein Aussehen kommentiert und zu meinen wirklichen Leistungen wird nichts gesagt. Kein Wunder, dass viele Frauen so viel Mühe und Zeit in ihr Aussehen stecken. Es scheint manchmal das Wichtigste zu sein, was eine Frau zu bieten hat. 

Barrierefreiheit

In meinem Job im Service gab es eine Stammkundin, die im Rollstuhl sitzt und nicht "normal" sprechen kann. Sie schreit immer sehr laut, man versteht sie schlecht und sie kann auch ihre Hände nicht normal bewegen. Eines Tages kam sie plötzlich nicht mehr. Als sie dann irgendwann wieder reinrollte, war ich gerade alleine im Laden. Sie erzählte mir davon, dass die automatische Tür (mit Schalter) kaputt war und sie seit Wochen immer wieder davor steht und nicht hereinkam. Sie kann nicht allein telefonieren und immer wenn sie dort stand, waren auch keine Passanten in der Nähe, die ihr hätten helfen können. Sie war also sehr hilflos und da sie sich selbst nicht wirklich mitteilen konnte, ist auch niemandem der kaputte Schalter aufgefallen. Sie ist niemandem aufgefallen.
Ich musste an diese Situation denken, als eine andere Person in einem Gespräch zu mir meinte: "Ich glaube nicht, dass heutzutage behinderte Menschen in Deutschland diskriminiert werden". Wenn ich an die Menschen in meinem Umfeld denke, fällt mir auf, dass ich nie viel Kontakt zu behinderten Personen hatte. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielen so geht. Und dass behinderte Menschen und ihre Probleme oft einfach nicht mitgedacht werden:
weil sie dadurch, dass sie so schlecht eingebunden sind, anderen Menschen oft einfach nicht auffallen.

Diskriminierung aufgrund des Körpergewichts

Mit Diskriminierung habe ich in meinem Leben schon mehr als einmal Erfahrung machen müssen. Leider! Ich war schon immer und bin immer noch dick, das weiß ich. Andere sagen, ich bin fett und schon das Wort ist diskriminierend und gefällt mir nicht. In der Schule und auch später in der Ausbildung wurde ich von anderen nicht nur wegen meiner Figur gehänselt. Oft dachten auch alle erstmal, wenn ich dick bin, kann ich nicht sportlich sein, faul wäre ich garantiert auch und sicher würde ich auch immer schwitzen und dadurch "stinken". Da musste ich mich sehr oft und immer wieder neu beweisen. Da sind bis heute Selbstbewusstsein und gute Freunde, die ich Gott sei Dank habe, unersetzlich. Aber im täglichen Leben kann man viele diskriminierende Erfahrungen machen: Sitze (besonders in Bus, Bahn, Flugzeug...) sind zu klein; Umkleidekabinen zu eng; wenn man mal krank ist, liegt es garantiert am Gewicht und auch die Modeindustrie gibt sich nicht die größte Mühe.

Randgruppe und trotzdem Täter?

Ich hatte mal einen Arbeitskollegen, der auf der Arbeit andauernd rassistische Äußerungen raushaute. Er selbst war homosexuell. Ich habe mich sehr oft gefragt, wie es sein kann, dass jemand der selbst einer Minderheit angehört, die häufig Diskriminierung erfährt, solch menschenverachtende Ansichten hervorbringen kann. Mittlerweile weiß ich, dass es sich nicht ausschließt selbst diskriminiert oder benachteiligt zu werden und dennoch anderen gegenüber Vorurteile zu haben die sich diskriminierend auswirken können. Wir müssen dieses Thema alle Hand in Hand angehen.

Stutenbissigkeit

Was mich schon lange beschäftigt sind Frauenfreundschaften. Ich weiß nicht wie oft ich Frauen und Mädchen schon den Satz sagen hören habe "Ich bin viel lieber mit Jungs/Männern befreundet", Frauen seien immer so falsch und hinterhältig. Für mich ist das verinnerlichter Frauenhass. Diese Frauen beleidigen mit solchen Aussagen alle anderen Frauen und unterstützen den Eindruck, dass Frauen nicht aufrichtig und solidarisch wären. Ich habe viele weibliche Freundinnen und ich empfinde keine von ihnen als hinterhältig oder falsch. Sie sind meine Schwestern und wir halten zusammen und unterstützen uns. So verhalte ich mich ihnen gegenüber auch. Wenn ihr selbst daran denkt, dass ihr euch anderen Frauen gegenüber fair und aufrichtig verhaltet, könnt ihr vielleicht mehr den Glauben dafür wiederfinden, dass es auch andere Frauen gibt, die sich so verhalten. Ich verstehe nicht, wieso wir uns gegenseitig so runtermachen müssen und nicht zusammenhalten und uns gegenseitig den Rücken stärken! Wir sollten uns auch nicht als Konkurrenz, sondern ein Team sehen.

"Mit so einem sollst du nicht spielen"

Meine erste bewsste rassistische Erfahrung musste ich bereits im Alter von 5 Jahren machen, als eines Tages mein damaliger bester Freund und Nachbar, mit dem ich täglich vor dem Haus spielte, mir mit einem neuen und aus Holz gebauten Flitzebogen entgegen kam und mich flüsternd mit der Aussage konfrontierte, dass sein Vater ihm verboten habe, mit "so einem wie mir" zu spielen und wir deshalb vorsichtig sein müssen. Ich hatte mich erst sehr stark und mit vollem Herzen darüber gefreut, ihn zu sehen, doch in dem Moment, als er mir dies sagte, war ich völlig verdutzt, habe es nicht verstanden und konnte mir auch nicht erklären, weshalb sein Vater es ihm verboten hat. Daher fragte ich ihn, was er genau damit meine. Worauf er wieder flüsternd zu mir sagte, weil du braun bist. Auch danach, war die Situation für mich nicht greifbar und trotzdem wurde ich irgendwie traurig, weil ich förmlich spürte, wie irgendetwas in mir zerbrach. Glücklicherweise sagte daraufhin mein Freund, dass es ihm egal sei, dass sein Vater ihm verboten hatte mit mir zu spielen und wir um die Ecke des Hauses gehen sollten, wo dieser uns nicht sehen könnte, damit wir zusammen mit seinem neuen Flitzebogen, den sein Vater ihm gebaut hatte und worauf mein Freund auch sehr stolz war, spielen könnten. Ich denke, dass mich diese Situation tief geprägt hat und zudem in meinem Wesen be- und gestärkt hat, insbesondere weil mein Freund sich gegen die Entscheidung seines Vaters gestellt hat und dem Rassismus keine Grundlage zum Wachsen gegeben hat, wobei mir damals die Erfahrung fehlte, diese Situation überhaupt als rassistisch einstufen zu können. Und auch heute noch, fast vierzig Jahre später, freuen er und ich uns immer noch sehr, wenn wir uns zufällig begegnen.

Arbeiterkind an der Uni

Ab Tag 1 meines Studiums fühlte ich mich an der Universität nicht zugehörig. Ich hatte kein teures Macbook, wie ein Großteil der anderen Studierenden. Ich redete anders, irgendwie mehr "Assi-Slang". Nach der ersten Vorlesung die ich besuchte, dachte ich mir "Was is n das für ne Fremdsprache?" Ich brauchte immer sehr viel Nachbereitungszeit um all die Begriffe nachzulesen die verwendet wurden, um überhaupt etwas zu verstehen. Ich wohnte nicht in der Stadt in der ich studierte, musste somit täglich vier Stunden pendeln, wodurch ich es während meines Studiums nicht schaffte, ein soziales Netz an der Uni aufzubauen und dieses zu pflegen.Ich konnte keine wirklichen Verbabredungen in der Freizeit einhalten oder an den Partys abends teilnehmen. Die aus solchen Beziehungen entstandenen Lerngruppen verschafften anderen Studierenden einen großen Vorteil. Ich arbeitete nebenbei im Service und hatte oft Spätschichten. Ich wollte nicht aus meiner Heimatstadt wegziehen, weil ich sehr auf meine Freunde und mein soziales Netz angewiesen war, weil ich eben sonst nicht viel hatte. Mein Vater erkrankte zu Beginn meines Studiums schwer, ein weiterer Grund warum ich nicht wegziehen wollte, während meines Studiums habe ich dabei geholfen ihn zu pflegen und mit ihm seine Beerdigung zu planen und vorzubereiten, bis er dann starb.  Da ich aufgrund dieser Zeit nicht genügend Credit-Points nach dem vierten Semester vorweisen konnte, war ich nicht Bafög-berechtigt. Eine Ausnahmeregelung gab es hierfür nicht. Dies tat den Mitarbeitenden zwar leid, aber wurde als "Bürokratielücke" verbucht. Ich musste einen Studienkredit aufnehmen, was ich eigentlich nie wollte, da finanzielle Unsicherheit in mir viel zusätzlichen Stress auslöst, aber das Studium nach all der Arbeit und Zeit abzubrechen, lohnte sich für mich nun auch nicht mehr, also tat ich es. Ich habe mein Studium mit einem Einser-Schnitt abgeschlossen, werde aber wohl noch ca. 10 Jahre den Kredit zurückzahlen müssen. Wenn ich die Dozentin nicht kennengelernt hätte, die mir gezeigt hätte, dass viele kleine Situationen in denen ich mich im Studium schlecht und unzureichend gefühlt habe, nichts mit eigener Unzulänglichkeit zu tun hatten, sondern auch in Zusammenhang mit meiner sozialen Herkunft standen, hätte ich nicht die Kraft dazu gehabt es abzuschließen. Ich denke, dass viele Arten der Benachteiligung von vielen Menschen die sie erfahren zwar gespürt werden, aber oft gar nicht als solche erkannt werden. Mir hat die Erkenntnis sehr geholfen und nur so war es mir möglich, mich für einen Abbau von Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft einzusetzen. Ich habe zu genau diesem Thema geforscht und meine Abschlussarbeit  mit 1,0 bestanden. 
Die große Energie und Leidenschaft für die Arbeit konnte ich nur aufbringen, weil mir bewusst geworden ist, in welchen Punkten ich benachteiligt bin und ich die Möglichkeit hatte, durch die Abschlussarbeit etwas dagegen zu tun. Viele Menschen haben diese Möglichkeit nicht. In unseren Lebensläufen steht nicht, welchen Schwierigkeiten wir ausgesetzt waren. 

Für dich habe ich heute leider kein Bankkonto

Eine Frau aus dem Iran hat eine diskriminierende Erfahrung bei einer Bank gemacht. Es war ihr nicht möglich, online ein Konto einzurichten, da sie hierzu ihren Geburtsort/Herkunftsland angeben musste. Hierzu gab es jedoch lediglich ein sogenanntes "Drag and drop" Menü-Kästchen, bei dem man nicht selbst etwas eintragen konnte, sondern nur aus einer Vorgabe von Ländern auswählen konnte. Das Land "Iran" gibt es hier nicht.

"Die" nehmen uns die Jobs weg, & wollen nicht arbeiten

Ich persönlich wurde vor mehreren Jahren bei der Arbeitssuche beleidigt, als ich mich arbeitssuchend gemeldet habe. Dort wurde mir gesagt: "Kommen alle hier her und wollen die Leistungen!" Mein Ziel war es, eine Arbeit zu finden und nicht Leistungen zu beantragen. Andersherum kennt man auch, dass oft gesagt wird "Die" nehmen uns die Jobs weg. Beides widerspricht sich doch.

"Ich habe einen Freund"

Als junge Frau werde ich häufig mal im Alltag angebaggert. Wenn ich jedoch sage, dass ich kein Interesse habe, wird dies oft nicht akzeptiert. Oft ist das Einzige was respektiert wird: "Sorry, aber ich hab einen Freund." Männer lassen mich also nur in Ruhe, wenn ein anderer Mann im Spiel ist. Das finde ich respektlos. Nein heißt Nein, auch wenn es eine Frau sagt.

Ohne Kinder ist man "zuverlässiger"

Der männliche Kollege der 5 Jahre weniger Berufserfahrung hat, wurde zuerst befördert, da er angeblich zuverlässiger ist, als eine Mutter mit Kleinkind.

Wohnungssuche mit Kindern

Ein Teilnehmer aus Syrien berichtet davon, dass er aufgrund seiner Herkunft große Probleme damit hat, eine Wohnung zu finden. Besonders erschwerend erscheint ihm jedoch sein Umstand, sechs Kindern zu haben. Er sagt: "Niemand möchte neben einer Großfamilie wohnen", mehrere Anwesende bejahen dies.

Kopf hoch mit Kopftuch

Ich habe aufgrund meines Kopftuchs eine Absage nach einem Vorstellungsgespräch bekommen, als ich gesagt habe dass ich mein Kopftuch nicht ablegen möchte. In der Werbeanzeige zu dem Job waren auch schon nur weiße Frauen ohne Kopftuch und mit hellen Haaren. 

Frauen und Geld

Ich habe erlebt wie auf einer öffentlichen Toilette Frauen Geld bezahlen mussten und Männer nicht. Frauen müssen sowieso mehr Geld ausgeben. Oft sind Frauen Klamotten teurer als Männerklamotten und noch dazu aus billigeren Materialien. Frauen müssen auch draufzahlen, durch Kosten von Hygieneartikeln wie Binden und Tampons/Menstruationstassen. Nicht zwingend aber indirekt geben Frauen oft mehr Geld aus, weil auf sie der gesellschaftliche Druck einfach viel höher ist der Normvorstellung von Schönheit zu entsprechen. Dazu gehört es auch sich zu schminken und stylen, was wiederum zusätzlich Geld kostet. Beim Friseur sind Frauenhaarschnitte auch oft teurer als Männerhaarschnitte. Zwar können auch Männer sich schminken und lange Haare haben, aber dennoch ist dies nicht die Mehrheit, weswegen insbesondere Frauen unter diesen Fakten leiden. Vor dem Hintergrund , das Frauen insgesamt weniger Geld verdienen, macht das zusätzliche finanzielle Benachteiligung von Frauen deutlich. In Anbetracht dessen finde ich es fast makaber, dass ein gängiges Vorurteil ist "Frauen könnten nicht mit Geld umgehen."

Die Herkunftsfrage mal anders

Wenn Leute mich fragen, wo ich herkomme, antworte ich: "Ich bin in der Nähe von Frankfurt geboren." Das ist garkeine Antwort auf ihre Frage. Trotzdem fragt dann nie jemand "Aber woher kommst du EIGENTLICH?". Ich denke dann, dass das daran liegt, dass ich weiß bin und akzentfrei deutsch spreche. Ich bin in anderen Ländern aufgewachsen und erst mit 9 Jahren nach Deutschland eingewandert.

Wenn ich Lust habe, über Diskriminierung und Vorurteile zu sprechen, frage ich dann "Willst du denn eigentlich garnicht wissen, wo ich eigentlich herkomme?" Dann sind die Leute irritiert. Sie haben garnicht bemerkt, dass ich ihre Frage nicht beantwortet habe, sondern sie haben mich einfach als 'deutsch' akzeptiert, weil ich aussehe, wie ich aussehe,   spreche wie ich spreche und in Deutschland geboren bin. Das ist mein Privileg. Wenn ich nicht weiß wäre oder akzentfrei Deutsch sprechen würde, würden die Leute mich so lange fragen, wo ich EIGENTLICH herkomme, bis ich ihnen einen Ort außerhalb von Deutschland nenne. Oder sie wären beleidigt.

Apother in der Fischfabrik

Ich komme aus Syrien und bin gelernter Apotheker. Meine Sachbearbeiterin hat mir einen Job in einer Fischfabrik im Fischereihafen angeboten, für den ich eigentlich überqualifiziert bin. Als ich sagte, das sich darüber unglücklich bin, meinte sie zu mir, dass wenn mein Traumberuf Apotheker sei und ich als solcher arbeiten möchte, ich wieder zurück in mein Heimatland abgeschoben werden sollte.

Als Frau sollte man..

Als Frau wird andauernd meine Erscheinung, mein Körper oder mein Verhalten beurteilt. Wenn mich etwas stört, werde ich als zickig oder hysterisch abgestempelt. Das sei zu schwer für eine Frau. So darf man als Frau nicht sitzen, so sollte man sich nicht verhalten..

Selbstverteidungstechniken

In meinem Freundinnenkreis haben wir uns neulich darüber unterhalten wie viele verschiedene Verteidigungstaktiken Frauen im Alltag entwickeln um sich vor Übergrifffen durch Männer zu schützen. Das mit Hinblick auf "Mental Load", also die zusätzliche Belastung mit dem dadurch verbunden emotionalen Stress und Aufwand diese Techniken zu planen ist in meinen Augen eine Möglichkeit, strukturelle Diskriminierung von Frauen zu erkennen. Diese Techniken wie beispielsweise : Auf dem Heimweg einen Schlüssel zwischen die Finger zu nehmen,  bei einem wirklichen Angriff nicht "Vergewaltigung", sondern "Feuer" zu schreien, weil es dann wahrscheinlicher wird, dass einem geholfen wird. Frauen und Mädchen wird von klein auf gesagt wie sie sich gegen männliche Übergriffe zu wehren haben, anstatt Jungs von kleinauf beizubringe, dass es falsch ist Frauen anzugreifen oder zu unterdrücken. Generell allen Kindern beizubringen, wie man sich gegenseitig helfen und unterstützen kann und solche Strukturen erkennt. Denn es sollte niemals die Aufgabe der benachteiligten Gruppen sein, dafür Sorge tragen zu müssen, dass sich etwas ändert, sondern die in der Hinsicht privilegierten (in diesem Fall Männer) müssen ihre Rolle erkennen und direkt mit einbezogen werden sich einzusetzen, anstatt schon von kleinauf zu lehren: "Mädchen, wenn der Junge dich ärgert, dann ist das weil er dich mag, also nimm es hin und freu dich am besten noch darüber."

Hilfssprache

Eines Tages sind meine Frau und ich mit unserem Kind das ersten Mal zu einer sogenannten Kinderuntersuchung zum Kinderarzt gefahren. Nach der Anmeldung wurden wir ins Wartezimmer geschickt und nach kurzer Zeit aufgerufen. Wir waren sehr gespannt, was die Untersuchung ergeben würde und ob unser Kind sich gut entwickelt hat. Kaum waren wir im Wartezimmer angekommen, begrüßte uns die Ärztin und deutete mit ihrer Hand auf die Stühle, damit wir uns setzen. Wir setzten uns hin und die Ärztin begann mit uns zu sprechen. Dabei sprach sie in einer Art und Weise, die man wohl am nähesten als "Zeitlupe" bezeichnen könnte. Sie versuchte zudem die einzelnen Worte mit extremen Lippenbewegungen zu betonten. Wie gesagt, alles in Zeitlupentempo bzw. einer Art von "Hilfssprache". Sie stellte sich uns namentlich vor und fragte, ob wir sie verstehen könnten. Meine Frau und ich guckten uns völlig entnervt an, drehten uns zeitgleich zur Ärztin hin und sagten in perfekter Aussprache, natürlich auf deutsch, dass wir sie recht deutlich verstehen und sie in normaler Sprache mit uns sprechen könnte. Wir sahen auf Anhieb, dass dies die Ärztin leicht beschämte. Diese Situation haben wir als sehr rassistisch empfunden, da die Ärztin nur aufgrund unseres Nachnamens oder Aussehens von Anfang an davon ausgegangen ist, dass wir kaum oder gar kein deutsch verstehen würde. Wir hoffen, dass die Ärztin daraufhin bei anderen Patienten erstmal davon ausgehen wird, dass diese deutsch verstehen und sich erst im Bedarfsfall der sogenannten "Hilfssprache" bedienen wird

Wer kann aufrücken?

Eines Tages stieg ich mit meinem Sohn in die Buslinie 502 ein. Ich habe schon von der Bushaltestelle aus gesehen, dass der Bus im vorderen Bereich total überfüllt war und hinten nur noch wenige Plätze frei waren. Wir sind wie vorgeschrieben vorne in den Bus gestiegen. Es sind schon einige Personen vor uns eingestiegen und hinter uns standen auch noch drei Personen. Mein Sohn hat der Busfahrerin seine Schülermonatskarte und ich meine bereits entwertete Busfahrkarte gezeigt. Dann wollten mein Sohn und ich weiter nach hinten durchgehen, aber das klappte nicht, weil der Bus zu voll war. Plötzlich sagte die Busfahrerin zu mir, dass sie so nicht losfahren würde, weil ich im Sicherheitsbereich stehen würde und ich doch bitte aussteigen solle. Daraufhin bat ich Busfahrerin darum, dass sie die Fahrgäste durch das Mikro darum bitten soll, weiter nach hinten zu gehen, damit mein Sohn und ich daraufhin aufrücken können. Doch die Busfahrerin weigerte sich und sagte, dass sie erst losfahren wird, wenn ich den Bus verlasse. Ich war fassungslos, wollte die Situation jedoch nicht eskalieren lassen. Daher sagte ich zu meinem Sohn, dass er alleine weiterfahren soll, was er aber nicht wollte. Also stieg er mit mir aus. Die Personen, die hinter uns in der Schlange standen, stiegen in den Bus und standen an genau der Stelle, an der mein Sohn und ich vorher standen, und es war sogar noch ein wenig voller als bei uns. Doch in dem nur paar Sekunden andauernden Moment schloss die Busfahrerin die Tür und fuhr direkt los. Ich empfand die Situation als sehr diskriminierend, weil ich der Meinung war und noch immer bin, dass die Busfahrerin dies nur aufgrund meines Aussehens getan hat, insbesondere, weil die nach uns in den Bus gestiegenen Personen ganz im Gegensatz zu mir eindeutig deutsch aussahen und die Busfahrerin trotz mehreren Personen in dem von ihr beschriebenen Sicherheitsbereich standen, letztendlich losgefahren ist.

Männerrechte

Ich habe sehr oft die Erfahrung gemacht, dass wenn ich von Gleichstellung in Bezug auf Geschlecht spreche, die Zwischenfrage "Aber was ist mit den Rechten von Männern?" (zumeist von Männern gestellt) auf den Tisch kommt. Diese Zwischenfrage löst in mir immer wieder Emotionen aus, die für einen Mann, der nicht von Sexismus betroffen ist, im ersten Moment oft nicht nachvollziehbar sind. Ich bin frustriert, wenn es in dem Gespräch gerade um die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts von allen Menschen,  die keine cis-Männer sind geht. Denn in dem Moment wo sie gestellt wird, möchte ich gerne respektvoll darauf eingehen. Entgegnen, dass ich die Rechte von Männern sehr wichtig finde und diese selbstverständlich respektiert werden müssen. Ab diesem Zeitpunkt dreht sich das Gespräch jedoch mit den Fokus auf die Rechte von Männern, wo es doch eigentlich gerade um die Benachteiligung aller nicht männlichen Personen ging. Das löst bei Betroffenen so viele negative Emotionen aus, weil dies ein Teil struktureller Diskriminierung ist. Betroffene Menschen werden oft weniger gehört. Ihre Erfahrungen werden weniger ernstgenommen. Mit einer derartigen Zwischenfrage in einem Gespräch wo genau diese Erfahrungen Betroffener Thema sind, wird (natürlich oft unbeabsichtigt) das Gespräch erneut weg von den Betroffenen gelenkt. Die Absicht oder Motivation mit der diese Frage gestellt wird, sind für mich weniger relevant, weil der Effekt sich dadurch eben nicht ändert.
Besonders frustrierend ist außerdem, dass ich die Rechte von Männern sogar als sehr wichtig empfinde, weil auch alle Männer die nicht dem normativen Männlichkeitsideal enstsprechen darunter leiden. Auch auf Männer gibt es Übergriffe. Was mich aber wirklich ärgert ist: Warum setzen Männer sich nicht mehr für die Rechte von Männern und Jungen ein, in Situationen und Kontexten in denen wirklich gerade ihre Rechte missachtet wurden? Beispielsweise bei der Veröffentlichung sexualisierter Gewalt an kleinen Jungen? Dies wäre doch ein super Zeitpunkt um sich für die Rechte von Männern stark zu machen und sich gegen Übergriffe an Männern einzusetzen. Stattdessen wird diese Frage aber häufig dann gestellt, wenn es um die Benachteiligung anderer Geschlechter geht. Die Frage ist also nicht falsch, sondern der Zeitpunkt und Kontext in dem sie gestellt wird.

"Mama, Wer bin ich?"

Ich habe mitbekommen, wie ein 12 jähriges Kind auf seine Mutter zugegangen ist und sie gefragt hat: „Wer bin ich?“ Auf die Frage wie das gemeint ist, antwortete das Kind, dass es nicht weiß, ob es jetzt türkisch oder deutsch ist, weil es sich in der Türkei nicht als Türke und in Deutschland nicht als Deutscher fühlt. Die Identität ist also unklar. Es macht mich traurig, dass dieses Kind dadurch hinterfragen muss, Wer es ist.

Was wäre wenn...?

Im vergangenen Jahr habe ich über 300 Bewerbungen geschrieben und dennoch keinen Job gefunden. Auf nicht jede Bewerbung, habe ich eine Absage bekommen. Einige haben mir per Mail abgesagt, andere via Telefon. Ein Firmenchef der mich anrief um mir eine Absage zu erteilen, sagte im Gespräch über die Gründe: „Was machen sie denn, wenn ihr Kind krank wird? Dann fallen sie doch aus, das Risiko dafür ist zu groß!“ Ich habe ihn daraufhin gefragt, was er denn macht, wenn er morgen krank wird?

Die Kuh und das Kälbchen

Ich war mit meiner kleinen Tochter beim Aldi einkaufen, als sie plötzlich Hunger auf Schokolade bekam. Vor dem Regal bekam sie einen lauten Heulanfall. Eine ältere Dame lief vorbei und sagte mit böser Stimme zu mir: „Wenn man Kinder nicht erziehen kann, sollte man auch keine bekommen!“ Ich entgegnete ihr daraufhin: „ein Kuh hat wohl vergessen, dass sie auch mal Kälbchen war.“ Die Reaktionen der umstehenden Leute waren daraufhin sehr überraschend für mich. Mehrere Leute begannen zu klatschen und mir zuzusprechen. Selbst beim Bezahlen sagte die Kassiererin noch zu mir: „Das war so stark von ihnen, ich würde sie am Liebsten in den Arm nehmen.“
Die Einordnung, warum ich diskriminiert werde finde ich schwierig. Ich wurde schon oft wegen meiner Herkunft und weil ich Migrantin bin diskriminiert, aber in dieser Situation habe ich mich auch als Frau/Mutter diskriminiert gefühlt. Aber wie soll man das beweisen, die Frau hat mir nicht gesagt, was genau der Grund war, warum sie mich beleidigt hat.

Taxifahrt ins Autokino

Ein Taxifahrer hat mich einmal gefragt, was denn mein Freund dazu sagt, dass ich ganz alleine in der großen Stadt unterwegs bin. Dass ich tatsächlich einen Freund hatte, konnte er garnicht wissen, da ich es ihm nicht gesagt hatte. Ich habe geantwortet "Wenn er was dagegen sagen würde, wäre ich nicht mit ihm zusammen." Ein paar Minuten später im Gespräch hat er mich dann gefragt, ob ich gerne ins Kino gehe "... oder hat dein Freund da etwas dagegen?". Mir war die Taxifahrt plötzlich sehr unangenehm. "Ob und wann ich ins Kino gehe, entscheide ICH, nicht mein Freund."
Plötzlich bemerkte ich, dass wir auf einem großen Platz anhielten, wo viele andere Autos standen, die alle in dieselbe Richtung standen. Etwas weiter weg vor uns sah ich eine große Leinwand. 
Ich hörte mich plötzlich selber fragen "Was machen wir hier? Hier wohne ich nicht!" Das sei ein Auto-Kino, erklärte mir der Taxifahrer begeistert.
Ich hatte plötzlich ANGST. Denn dieser Taxifahrer hatte mich offenbar nicht zu meinem Ziel gebracht, ich hatte keine Ahnung, wo ich bin und saß Auto mit einem Mann, den ich nun extrem gruselig fand.
Ich sagte ihm, dass ich nach Hause muss und nicht mit ihm ins Kino gehen will. "Aber du hast doch gesagt, dass das für deinen Freund okay ist." Ich überlegte, einfach auszusteigen, aber ich hatte keine Ahnung, wo ich bin und wo oder wie ich ein neues Taxi rufen könnte. Ich sagte ihm also "Mein Freund ist nicht hier. ICH will jetzt nach Hause."
Er wirkte enttäuscht, aber fuhr los. Den Rest der Fahrt hatte ich Herzklopfen. Als wir wieder auf einer Hauptverkehrsstraße waren, überlegte ich wieder, ihn zu bitten, anzuhalten und mich aussteigen zu lassen. Aber ich hatte Angst, dass er dann wütend wird und mich erst recht woanders hin bringt.
Irgendwann kamen wir wirklich an meiner Unterkunft an. Bezahlen ließ er mich die Fahrt nicht.
Erst als ich in meinem Bett lag, fiel mir auf, dass dieser Taxifahrer nun wusste, wo ich wohne. Das machte mir Angst.
Die nächsten Tage achtete ich darauf, immer zu unterschiedlichen Uhrzeiten die Unterkunft zu verlassen und wieder anzukommen.

Zitate

aus den von uns geführten Interviews

"Jede:r Mensch hat Vorurteile."

"Alle Menschen sind verschieden, darum sind wir alle gleich."

„Es fehlt oft an Informationen“

"Es ist nicht so einfach."

„Ich möchte jetzt nicht jeden Menschen aufklären!“

"Du kannst ein Haus kaufen, aber kein Zuhause. Ein Buch, aber keine Bildung. Ein Bett, aber keinen Schlaf. Eine Uhr, aber keine Zeit." 
Du kannst Geld haben, aber trotzdem diskriminiert werden.

"Zu Unterscheiden ist ja an sich nichts schlechtes. Es wird kompliziert an dem Punkt, wo zu meiner Wahrnehmung eines Unterschiedes eine Wertung hinzukommt"

"'Das ist doch alles vorbei und ich möchte das hinter mir lassen': Das ist eine Wahl, die ich nicht habe. Die Freiheit zu haben, sich nicht damit zu beschäftigen, kannst du eigentlich nur haben, wenn du nicht betroffen bist."

"Das ist immer so schwer in Worte zu fassen, weil mir das als Kind auch so überhaupt nicht bewusst war, sondern erst im Nachhinein"

"Es hat ja jeder so diese Stereotypen, die man so im Kopf hat und das ist, glaube ich, in erster Linie nicht so schlimm, nur das darf dann halt nicht dazu führen, dass man wen anderes schlechter behandelt."

"Besonders schlimm ist es, wenn es so hinterrücks durch die Brust ins Auge kommt."

"Im Nachhinein, wenn man sich dann so Gedanken drüber macht, war es (Diskriminierung) immer und überall."

"Wenn ich menschenfeindlich bin und ich bin ein Mensch, dann bin ich auch mir selbst gegenüber feindlich"

"Ich glaube Macht zu haben, ist auch eine Art Sucht. Auch wenn es ungesund und eklig ist."

"Diskriminierung hat immer was mit Unbewussten zu tun. Die Leute müssen aufgeklärt werden."

"Diskriminierung ist eigene Unsicherheit, die man damit kompensieren möchte, dass man andere abwertet."

"Ich finde es auch schwierig, dass Kindern überzubügeln, wenn die zum Beispiel keine Eltern haben, die sie aufklären."

„Du meinst doch gar nicht ‚alle‘, sondern nur diese eine Person!“

"Ne Neugier und Ehrlichkeit dem Anderen gegenüber find ich auch ganz wichtig."

„Ich würde Kindern und Jugendlichen die diskriminiert werden, so blöd das auch für die klingt, empfehlen, sich Hilfe zu holen.“

"Sobald ein Mensch mündig und für sich selber verantwortlich ist, ab da ist es für mich keine Entschuldigung mehr, zu sagen: 'Ich hab die falsche Erziehung genossen oder ich bin in der falschen Gegend aufgewachsen'"

„Ich glaube auch durch Normalisierung, eine multikulturelle Gesellschaft und eine alltägliche Diversität wird Diskriminierung abgebaut“

"Jeder Mensch hat Vorurteile. Es geht glaube ich auch nicht ohne, das ist was ganz menschliches. Ich glaube, man muss irgendwie dagegen ankämpfen."

„Die Kinder in der Schule damals, die nicht viel Geld hatten, hatten es echt nicht leicht, weil Kinder das auch nicht verstehen. Auch, dass man denen eigentlich helfen sollte.“

„Ich glaube, dass das Konzept Vorbilder immer ganz gut ist und dass man versuchen sollte, als Person die darüber bildet, die Kinder zu verstehen und nicht einfach zu sagen: Hör mal, das ist blöd, das macht man nicht.“

„Ich glaube, dass es auf jeden Fall mehr Vorbilder bedarf, zu denen die Kinder auch irgendwie aufschauen können und mit denen man auch irgendwelche Gemeinsamkeiten hat.“

„Wenn ich das von mir wegschiebe und mich mit der Thematik gar nicht befassen will, wie soll man es dann machen? Man kann die Person ja nicht festhalten und schütteln. Dann macht sie ja erst recht zu“

„Dass man sich da mal drüber Gedanken macht: Wie verhalte ich mich heute, wie habe ich mich früher verhalten? Dass man sich da mal ein bisschen reflektiert.“

„Man muss einfach ganz viel drüber sprechen und dann darüber nachdenken und auch einfach nachfragen. Wenn öfter drüber gesprochen wird, dann wird das leichter.“

„Ich liebe den Spruch 'leben und leben lassen', er bringt für mich auf den Punkt, dass es wichtig ist Niemanden so einzuschränken, dass er selbst sein Leben nicht mehr gut führen kann. Dafür ist es wichtig darauf zu achten sich nicht diskriminierend zu verhalten.“

„Was helfen kann ist einerseits sich mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen auszutauschen, aber auch mit denen die eigentlich das Privileg haben, diese Erfahrung nicht zu machen und einem dennoch zuhören und gewillt sind sich damit auseinanderzusetzen.“

„Ich bin unheimlich froh über jede Geschichte von Betroffenen, die erzählt wird, aber ich sehe Betroffene nicht in der Verantwortung diese Geschichten zu erzählen, weil sie wenn sie nicht anonym angesprochen werden zu weiteren Nachteilen führen können.“

„In der Verantwortung sind alle nicht Betroffenen, dafür zu sorgen, dass diese Geschichten (Diskriminierungserfahrungen) überhaupt nicht erst passieren und auch Betroffene zu schützen, wenn sie anfangen über diese Erfahrungen zu erzählen.“


„Das Schlimmste an den Diskriminierungserfahrungen ist glaube ich, dass es an das eigene Selbstwertgefühlt geht, also auch die eigene Wertigkeit als Mensch und die eigene Wahrnehmung, das eigene Weltbild und auch die Identität wird in Frage gestellt und angegriffen.“


„Ich glaube das wichtigste bei der Bewältigung von Diskriminierungserfahrungen ist, dass man auf Verständnis stößt.

 a) dass mir geglaubt, dass es wirklich passiert ist.
 b) dass es nicht richtig war, wie es passiert ist.
 c) dass es eine Diskriminierung war.“

„Ich glaube Menschen diskriminieren, weil sie einfach nie gelernt haben, wie sie damit aufhören.“


„Um Diskriminierungserfahrungen besser zu bewältigen, hilft es miteinander zu sprechen.“

„Um Veränderung in der Welt der nicht-Betroffenen herbeizuführen hilft meiner Meinung nach nur Aufklärung und das Teilen solcher Geschichten.“

„Vor allem Menschen, die von Diskriminierung nicht betroffen sind, sollten darüber aufgeklärt werden was Diskriminierung eigentlich bedeutet und wie alltäglich sie den Betroffenen wiederfährt.“

„Ich denke, wenn man sich untereinander austauscht, kann man füreinander Verständnis entwickeln. Wenn man füreinander Verständnis hat, bleiben viele Missverständnisse aus, die zu Konflikten führen.“

„Wenn irgendwo jemand diskriminiert wird: auch mal Flagge zeigen, sich auch mal als Außenstehender einmischen, aber ganz sachlich. Ich glaub damit wäre vielen geholfen, weil dann die Person die diskriminiert wird merkt, ‚Hey, ich bin nicht alleine‘, sehr schlimmes Gefühl und auch wenn die andere Person nicht direkt einsieht, dass sie falsch liegt, regt es sie vielleicht zum Nachdenken an. Wenn keiner mir sagt, dass ich falsch liege, werde ich mein Leben lang so weitermachen.“

„Man kann nicht immer alles auf Kinder schieben, da muss einfach aufgeklärt werden. Wenn das von den Eltern aus nicht passiert, warum auch immer, da will ich jetzt auch niemanden verurteilen, dann muss es von der Schule aus passieren. Aufklärung bedarf jedem, auch der älteren Generation, aber ich glaube wenn man in nem jungen Alter anfängt, dann kommt es gar nicht dazu. Dann fängt dieser Kreislauf gar nicht erst an. Ich würd das fast schon als Präventivmaßnahme zählen.“


Dass es überhaupt Diskriminierungen gibt, darüber sind sich die meisten Menschen bewusst. Aber darüber, dass dies gleichzeitig bedeutet, dass durch die jeweiligen Nachteile andere Menschen Vorteile erfahren und so privilegiert sind oder werden, scheint nicht so sehr im Bewusstsein zu sein.“

"Welche Studienergebnisse und Untersuchungen gibt es? Wer führt diese durch? Welche Gruppen sind an der Uni und Hochschule besonders vertreten?"

„Wenn es diskriminierte Personen gibt, gibt es auch privilegierte Personen!“

„Wir sind alle gleich, weil wir alle individuell und verschieden sind. Trotzdem gilt die Bezeichnung 'Einzelfall' in Institutionen oft als Ausrede, dafür dass es bei Schwierigkeiten einer Person keine Unterstützung oder Lösungsangebote gibt.“

„Manche Menschen scheinen zu denken, dass wenn man nichts oder wenig  zu ihrem respektlosen Verhalten entgegnet, man nichts zu sagen hat, oder sogar zu dumm sei es zu bemerken. Sie kommen gar nicht darauf, dass man in dem Moment respektvoll sein möchte."